methodisch flexibel
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Ein Blog über Workshops als Geschäftsmodell. Von Katrin Gildner

Nebenberuflich vom Vortrag zum Buchvertrag [Case Study Anna Pietzka]

Foto: Daniel Reiche

Wie entwickelt sich ein Workshop-Business wirklich? Um das herauszufinden, habe ich mit ehemaligen Teilnehmer:innen meines Workshop Accelerators gesprochen. 

Sie haben mir erzählt, wie Workshops ihre Selbstständigkeit verändert haben, welche Herausforderungen sie auf ihrem Weg gemeistert haben und welche Erfolge sie feiern konnten.

In dieser Serie teile ich ihre Geschichten.

In Feature Nummer 4 widmen wir uns Anna Pietzka. Womöglich kommt sie euch bekannt vor, denn vor ein paar Monaten hat sie hier im Blog einen Gastbeitrag über das Impostor-Phänomen geschrieben. Das ist exakt ihr Expertinnen-Thema, mit dem sie jetzt als Vortragsrednerin, Workshopleiterin und sogar *Trommelwirbel* Buchautorin sichtbar ist. Sorry für den Spoiler 🤭

Lesen wir, wie es dazu gekommen ist:

Foto: Carolin Brandt

Anna Pietzka hat Psychologie studiert und arbeitet als Organisationsentwicklerin im Hauptjob. Jup, richtig gelesen: Sie ist mit ihren Workshops „nur“ nebenberuflich selbstständig. Das ganze fing vor ein paar Jahren an, als sie nebenberuflich Coachings angeboten hat. Anna hat schnell gemerkt, dass das Vereinbaren einzelner Coachingsitzungen nicht so leicht mit Familie, Hauptjob und Co unter einen Hut zu bringen ist. Deswegen ist sie 2023 in den Accelerator gekommen: Sie wollte Vorträge, Workshops und Gruppenformate entwickeln, mit denen sie auch mit wenig Arbeitszeit Impact schafft (und Umsatz, let’s be real!).

Vom Psychologie-Blumenstrauß zum Impostor

Als Anna zu mir kam, hatte sie einige Themenideen im Gepäck, die sie sich als Workshops vorstellen konnte. Selbstfürsorge, Konflikte, Zusammenarbeit… Als verbindende Idee nutzte sie die Überschrift „Neue Freude am alten Job.“ (Ich bin übrigens der Meinung, dass das ne sehr attraktive Prämisse ist und sich bestimmt auch gut vermarkten lassen könnte 👀) Ein Thema stach aber heraus: Das Impostor-Syndrom, bzw. wie Anna es lieber nennt: Das Impostor-Phänomen.

Na, das ließe sich doch auf jeden Fall gut als Workshopthema vermarkten! Aber will sie „die Impostor-Tante“ sein?!

„Am Anfang dachte ich, [das Impostor-Thema] könnte mich schnell langweilen. Ich hatte diese Sorge und wir hatten das auch mal in einem Hot Seat thematisiert: Will ich die Impostor-Anna sein? Oder hängt mir das dann irgendwann zum Hals raus?“

Naja, ihr denkt es auch: Anna hat sich dafür entschieden, sich auf das Impostor-Phänomen zu konzentrieren und hat auch gemerkt, dass innerhalb dieses Themas viele verschiedene Facetten für Workshops und Vorträge sind, die nicht zu Langeweile führen.

Außerdem hat Anna die Erfahrung gemacht, dass Kund:innen nach einer erfolgreichen Zusammenarbeit gezielt danach fragen, welche anderen Themen sie denn noch anbieten könne. Eng mit dem Impostor-Thema reinzugehen hat bei ihr also nicht dazu geführt, dass sie jetzt „für immer die Impostor-Tante“ ist. Mit dem Motto „Neue Freude am alten Job“ (oder einem ganz neuen Motto!) könnte sie in den nächsten Monaten oder Jahren immernoch Themen dazunehmen und so für mehr Abwechslung sorgen.

Foto: Daniel Reiche

Zeit sparen ist King

Wie gesagt: Anna ist nebenberuflich tätig. Sowohl für die Workshops an sich, als auch das Drumherum (Kommunikation mit Auftraggeber:innen, Marketing und Akquise, Nachbereitung…) hat sie nur begrenzt viel Zeit.

Hier kann man wunderbar zwei Prinzipien, über die ich immer wieder spreche, in Action sehen: (a) zeitsparende feste Angebote und (b) das Pusteblumen-Prinzip:

Einmal erstellen, immer wieder anbieten

Anna hat mir zum Beispiel erzählt, dass sie für einen digitalen Vortrag gebucht wurde. Ihre Ansprechpartnerin fragte sie, ob sie außerdem einen Workshop im Angebote hätte. Na klar – das Angebot konnte sie mit Copy-Paste aus einem Ordner ziehen. Zwei Minuten Aufwand für den nächsten Auftrag. Workshopkonzepte, Folien, Beschreibungstexte – das, was Anna im Accelerator und danach erarbeitet hat, erleichtert ihr jetzt den Alltag und reduziert den Orga-Aufwand aufs Minimum.

Jeder Workshop ist Werbung für den nächsten Workshop

Anna hat sich im deutschsprachigen Raum als Ansprechpartnerin für das Impostor-Thema positioniert. Sie sagt selber, dass es mit Workshops schnell ging – schneller als durch Content allein:

„[…] man wird halt durch son Workshop superschnell wirklich als Expert:in wahrgenommen – selbst wenn man sich selber noch nicht so sieht.“

Außerdem: Durch die Fragen und Gespräche, die im Kontakt mit dem Publikum entstehen, kommen dann auch ganz von selbst die Contentideen für LinkedIn oder Insta.

Akquise über SEO, Empfehlungen & bald ein Buch?

„Ich bin immer wieder überrascht, dass Menschen mich kontaktieren.“, sagt sie. „Also, ich habe keine SEO-optimierte Website. Ich hab da halt das Impostor Phänomen drauf stehen, die Vorträge und Workshops… Und wenn ich Zeit hab, schreibe ich ein paar Referenzen drauf. Das ist nicht tagesaktuell und keine Prio, aber trotzdem kriege ich pro Monat mindestens zwei Anfragen „aus heiterem Himmel“.“

Mit ihrer anstehenden Buchveröffentlichung im September wird die Anzahl der Anfragen mit Sicherheit noch steigen. Apropos, wir müssen mal über das Buch reden…

Vom Vortrag zum Buchvertrag

Fast hätte Anna die Anfrage, im November 2024 auf einer Konferenz über das Impostor-Phänomen zu sprechen, nicht angenommen. Denn der Haken: Der Vortrag sollte auf Englisch sein. Erst hatte sie Bammel, aber um dann auch nicht selber dem Impostor nicht zu erliegen (we love a Meta-Ebene!! 🔥), sagte sie zu. Fast forward: Der Vortrag kam super an, und im Publikum saß ihre zukünftige Lektorin, über die sie zum Buchvertrag kam. Die ganze Story ist noch n bisschen bolder, aber lest die mal gern auf Annas Instagram.

Im September 2026 wird „Glaub nicht alles, was deine Selbstzweifel dir sagen“* erscheinen. Das ist SOOOO COOOL, herzlichen Glückwunsch, Anna!!! (*Affiliate Link)

Foto: Daniel Reiche

Wachstumspotenzial: Workshoppen ginge auch in Vollzeit…

Anna ist sehr happy mit ihrer Kombi aus Angestelltenjob plus nebenberuflicher Tätigkeit als Dozentin. Im Gegensatz zu anderen Nebenberuflichen hat sie nicht vor, ihren Job zu ersetzen. (Oder, in ihren Worten: „Ich wollt mich [in der nebenberuflichen Tätigkeit] halt ein bisschen austoben“ ) Aber es gibt Anna ein gutes Gefühl, zu wissen, dass sie aus den Workshops ihr Haupt-Business machen könnte. Sie bekommt jetzt schon viele Anfragen und hat auch Ideen, was sie machen könnte, um das noch zu steigern:

„Ich könnte zwei, drei SEO-Artikel schreiben, meine Startseite aktualisieren oder bei LinkedIn posten. Es gäbe so viele kleine Ansatzpunkte, die das wahrscheinlich noch nach oben katapultieren könnten.“

Einen weiteren Aha-Moment hatte sie, als sie für eine Veranstaltung im September 2025 angefragt wurde und diese Anfrage aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht annehmen konnte. Sie dachte, dass die Auftraggeberin einfach eine andere Referentin findet. Stattdessen war die Antwort: „Ah okay, dann schauen wir mal, was wir dieses Mal machen. Wir melden uns dann aber für nächstes Jahr bei dir!“. Sprich: Ja, die wollen *genau dich* anheuern, und nehmen dafür auch Terminverschiebungen in kauf.

Das ist das Tolle am B2B-Geschäftsmodell: Ja, die Anbahnung dauert manchmal länger, aber dann geht es um Empfehlungen, Kontakte und gute Erfahrungen, nicht um ein Content-Hamsterrad oder Sichtbarkeit im Algorithmus.


Annas Learnings für andere Selbstständige

  • Gesprächsöffner finden: Anderen von der Idee erzählen und schauen, was „andockt“
  • Keine Angst vor der Pause: Um ihr Buch zu schreiben und in der Elternzeit hat Anna Aufträge abgesagt – ohne Angst zu haben, dass daduch jetzt das ganze Workshop-Business zusammenbröckelt.
  • Entscheidung vor Erfahrung: Man muss sich für ein Thema entscheiden, bevor man weiß, ob es klappt. Oder, wie Anna auch immer wieder sagt: Mut wird belohnt. zeitversetzt.

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