methodisch flexibel
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Ein Blog über Workshops als Geschäftsmodell. Von Katrin Gildner

Raus aus der 1:1-Comfort Zone: Noras Weg zu neuen Zielgruppen mit Workshops [Case Study Nora Müller]

Wie entwickelt sich ein Workshop-Business wirklich? Um das herauszufinden, habe ich mit ehemaligen Teilnehmer:innen meines Workshop Accelerators gesprochen. 

Sie haben mir erzählt, wie Workshops ihre Selbstständigkeit verändert haben, welche Herausforderungen sie auf ihrem Weg gemeistert haben und welche Erfolge sie feiern konnten.

In dieser Serie teile ich ihre Geschichten.

In Feature Nummer 3 kommt Nora Müller zu Wort. Sie war lange Zeit im klassischen Zeit-gegen-Geld-Mentoringmodell und hat sich mit Workshops gewünscht, da rauszukommen, neue Zielgruppen zu erschließen und sich aus der 1:1-Komfortzone rauszuwagen.

Uuund einen neuen Marketing- und Sichtbarkeitskanal haben wir auch noch gelauncht…

Foto: Anna Maria Langer

Vom Coachingmodell zur Workshop-Experimentierphase

Seit 2018 begleitet Nora Müller als Positionierungsmentorin selbstständige Frauen dabei, herauszufinden, was sie zeigen und anbieten wollen – und wie sie das so kommunizieren, dass es bei der richtigen Zielgruppe ankommt. 

Dieser Prozess braucht Zeit und Tiefe: Mehrmonatige Begleitung, individuelle Betreuung, eine Handvoll Kundinnen. Macht Spaß, aaaber Nora musste sich eingestehen: 

„Ich war ehrlich zu mir und habe festgestellt: Ich bin genau in das “Zeit-gegen-Geld”- Coachingmodell gefallen, das ich eigentlich vermeiden wollte.“

Die intensive Zusammenarbeit mit jeweils einer Person war für Nora zur Komfortzone geworden, aus der sie sich herauswagen wollte. Seit Ende 2023 ist sie im Workshop Accelerator. Sie hatte sich gewünscht, neue Angebotsformate jenseits vom 1:1 für ihr Business zu entwickeln und war so auf den Workshop-Trichter gekommen.  


Einstieg in den Workshop Accelerator

Im Gespräch erzählte Nora mir, dass sie mir schon seit ein paar Jahren auf Insta folgte. Eine Empfehlung von Charleen Dröse (@rocketpennie) brachte dann den Impuls, in den Workshop Accelerator einzusteigen. Eine konkrete Workshopidee hatte Nora nicht, nur die Klarheit, dass sie nicht versuchen wollte, den gesamten Positionierungsprozess in einen Workshop zu pressen.

„Ich wusste: Das geht nicht in der Qualität, die ich erwarte. Ich wollte lieber einen klaren Teilbereich herauslösen – und genau das konnte ich im Accelerator entwickeln.“


Der Anti-Pitch als erster Workshop

Der Geistesblitz kam im Hot Seat Coaching: Nora sprach über ihre Herangehensweise ans Pitchen, warum ihrer Meinung nach der klassische Elevator Pitch ausgedient hat und dass sie lieber “anti-pitcht”. Zack, die Workshop-Idee war geboren! Der Anti-Pitch. 

Nora hatte einen Teilbereich der Positionierungsarbeit identifiziert, aus dem sie einen kleinen, für sich stehenden Workshop schnüren konnte: 

„Es geht darum, ein Gespräch zu öffnen, ohne dass es sich unangenehm oder verkäuferisch anfühlt. Am Ende kann daraus ein Auftrag entstehen – oder einfach ein gutes Gespräch.“

Beim Geschäftsmodell war für Nora klar, dass sie erstmal nicht ins Dozent:innen-Business, sondern ins Online-Business-Modell geht. Also begann schon kurz nach der Konzeptentwicklung für den Anti-Pitch der Beginn des Ticketverkaufs. 10 Plätze wollte sie in der ersten Runde gerne vergeben, und, Spoiler Alert: mit 9 Verkäufen war sie fast ausgebucht. 

Nora hat mit einer Warteliste getestet, ob ihre Audience und ihr Netzwerk interesse am Anti-Pitch-Workshop haben

Erste Erfolge – und dann die Realität

Die Verkäufe für den ersten Anti-Pitch-Workshop kamen vor allem über Noras Netzwerk zustande. Außerdem reaktivierte sie ihr vorher nur sporadisch genutztes Instagram-Profil. Mit Working in Public nahm Nora ihre alten und neuen Follower mit durch die Überlegungen, die zu ihrem Anti-Pitch-Konzept und dem Workshop geführt haben. Die zweite Runde zu füllen war schon schwieriger. In ihrem vorherigen Modell, dem 1:1-Mentoring, brauchte sie keine große Reichweite. Ihre kleine Insta-Followerschaft bestand zu dem Zeitpunkt vor allem aus Leuten, die ihre Arbeit schon lange verfolgen und ihr vertrauen.

Das ist ein tolles Netzwerk – aber nicht reichweitenstark genug für das klassische Online-Business-Modell. An dieser Stelle kam für Nora der Reality Check: Wenn sie Workshops in ihr Business integrieren will, braucht sie auch die entsprechende Sichtbarkeit, um ausreichend Tickets zu verkaufen:

„Ich habe gemerkt, dass mir Workshopgeben richtig Spaß macht – aber ohne bestehendes Netzwerk wäre es schwer gewesen, die Gruppen vollzukriegen.“ 

Spoiler Alert: Das Thema Content, Reichweite und Sichtbarkeit sind Nora und ich im Accelerator dann auch angegangen… 


Vom einzelnen Workshop zur Angebotsstrategie

Parallel zu den Anti-Pitch-Runden begann Nora, darüber nachzudenken, wie sie ihr Angebot strategisch erweitern kann: 

  • weitere Workshops
  • digitale Produkte
  • VIP Days als intensive Kurzformate
  • und, mein persönliches Highlight: ein Train-the-Trainer-Programm, um anderen beizubringen, wie sie ihre Kund:innen positionieren können. (Das ist noch vage am Horizont – aber ich freu mich drauf und werde auf jeden Fall selber teilnehmen wollen!) 

Das Jahr 2024 war für Nora eine Zeit zum Experimentieren: Neben dem Anti-Pitch testete sie Workshops zu weiteren Positionierungthemen wie Verkaufsgesprächen und Website-Gestaltung…

Die große Herausforderung:

„Ich musste lernen, mein großes Mentoring in kleinere Teile zu zerlegen – ohne beliebige Einzelsessions zu verkaufen, die mein Hauptangebot kannibalisieren würden. Workshops und VIP Days sind da ein guter Mittelweg.“


Podcast: weit mehr als nur ein Marketingkanal

Also, eeeigentlich gehts im Accelerator ja um Workshops. Aber als Content-Maus arbeite ich mit meinen Accelis natürlich auch gern an deren Content-Marketing-Plänen. So auch bei Nora und ihrem Podcast… 

Disclaimer: Eigentlich geht der Accelerator nur drei Monate, aber ich biete meinen Accelis an, danach noch für jeweils drei Monate zum reduzierten Preis dranzubleiben, um zum Beispiel an weiteren Workshops zu arbeiten oder mich als Sounding Board zu benutzen. Deswegen nicht wundern, wenn ihr jetzt hört, dass Nora auch noch ein umfangreiches und innovatives Podcastkonzept aus dem Boden gestampft hat. Das ist *nicht* alles in drei Monaten passiert! 

Nora hatte ja bereits einen Instagram-Account, bei dem sie in sporadischen Abständen Einblick in ihr Business gab, aber auch immer mal wieder für ein paar Monate in der Versenkung verschwand. Um sich Reichweite aufzubauen, das Positionierungsthema zu besetzen und einen Einblick in ihre unique Arbeitsweise zu geben, erschuf Nora schließlich den Podcast “Nora positioniert”, dessen erste Episode im November 2024 online ging. 

Nora positioniert – hier ist Name Programm. Nora spricht hier nicht über Positionierung oder gar über irgendwelche Pains, die sie dann lösen will.. Nein, sie positioniert. In fast jeder Folge hat sie echte Fälle, die sie quasi live coacht. “True Business” nennt sie das, angelehnt an “True Crime”. Ganz ehrlich? Ich liebe das Konzept und hör wahnsinnig gerne zu. 

Der mutige Schritt, die Leute wirklich über die Schulter gucken zu lassen, hat sich als Schlüsselfaktor erwiesen: Nora bekommt dadurch nicht nur Anfragen fürs Mentoring, sondern auch für einzelne Beratungssitzungen oder andere Angebote. 

Jetzt hat sie einen Kanal, den sie nutzen kann, um Workshops (oder digitale Produkte, wir sind dran ;)) direkt an diejenigen Menschen anzubieten, die schon wissen und schätzen, wie Nora tickt und an das Positionierungsthema rangeht. 


Heute: Möglichkeiten jenseits von 1:1 

Für diese Case Study wäre es toll, wenn Noras neue Angebotspalette schon fix und fertig stehen würde. Das tut sie aber nicht. Die große Herausforderung, wie man das Thema “Positionierung” (an dem einfach soooo viel hängt!) in sinnvolle, für sich stehende Produkte aufteilen kann, ist noch nicht gelöst. 

Aber: Nora ist ins Experimentieren gekommen und ist aus der 1:1-Komfortzone herausgekommen.  Sie weiß, dass sie im direkten Kontakt sehr gut ist – aber sie weiß auch, dass sie Gruppen leiten und 1-to-many-Prozesse gestalten kann.

Workshops und auch der Podcast (den sie nicht nur als Kanal zum Senden versteht, sondern mit dem sie die Positionierungs-Bedürfnisse ihrer Zielgruppe erkundet) bleiben Bausteine in Noras eigenem Positionierungs-Puzzle. 


Noras Learnings für andere Selbstständige

  • Raus aus der Komfortzone lohnt sich: Neue Formate bringen frische Energie und andere Zielgruppen.
  • Workshops als Testfeld nutzen: Bevor man ein großes Programm baut, lieber mit kleinen Workshops starten.
  • Netzwerkeffekte bewusst einsetzen: Am Anfang helfen bestehende Kontakte – langfristig braucht es eigene Kanäle für das Online-Business-Geschäftsmodell.


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