Moi aus Helsinki! Ich bin grad im Urlaub, aber denke natürlich trotzdem an Workshops 🤠Zum einen, weil in der U-Bahn witzige Plakate hängen, die Werbung für Erwachsenenbildung machen; aber auch weil ich gestern auf dem Weg ins Stadtzentrum (#Tourimode) an einem Workshop Space für Offline-Workshops vorbeigekommen bin.
Man kann dort Kreativworkshops, z.B. zum Malen oder Formen mit Ton, belegen – aber eigentlich geht es ums
- bewusst offline sein
- Verbindungen mit anderen (+ Fremden!) aufbauen
- Selbsterkenntnis
.. und wahrscheinlich noch viel mehr.
Ein schöner Reminder, wie viele Ebenen dahinter stecken können, aus welchen Gründen ein Workshop (von Organisationen) in Auftrag gegeben wird oder warum individuelle Leute ein Workshop-Ticket kaufen.
Wir wĂĽnschen uns natĂĽrlich, dass Menschen bereits viel Interesse fĂĽr unser Thema mitbringen und sich voll auf unseren Workshop einlassen. Die realistisch bis zynische Perspektive ist jedoch: Es gibt noch andere GrĂĽnde, die dahinter stecken.
Sowas wie „der Manager bucht ein Diversity-Training fĂĽr seine Abteilung, nicht unbedingt, weil er dran glaubt, sondern weil’s halt so im Fortbildungsplan steht und die Gelder sonst verfallen wären“ oder „Rita ist FrĂĽhrentnerin und den Italienischkurs bei der VHS belegt sie seit zwei Jahren, damit sie n bisschen unter Leute kommt“.


Von diesen GrĂĽnden kann es bei ein und demselben Workshop sogar mehrere parallel geben:
- das Team bucht den Töpfer-Workshop, weil sie letztes Mal in sonem ätzenden Kletterpark waren und dieses Mal lieber was gemĂĽtliches fĂĽr’s Teambuilding machen wollen
- eine Mutter bucht den Töpferkurs als Self-Care-Flucht. Ob am Ende eine schöne Vase entsteht? Scheißegal, solang mich drei Stunden mal alle in Ruhe gelassen haben.
- zwei Studis buchen den Kurs als zweites Date. Ein neutraler dritter Ort, was zu tun damit man die Gesprächspausen als „sorry ich hab mich grad auf das Formen des Henkels konzentriert“ verstecken kann, und ein automatisches Ablaufdatum fĂĽrs Date. (Wenn der Vibe da ist, kann man danach ja noch in ein CafĂ© weiterziehen…)

Warum mĂĽssen wir das als Workshopanbieter:innen auf dem Schirm haben? Na, damit wir nicht ausschlieĂźlich aus unserer Rolle als enthusiastische Expertin kommunizieren:
- „Ich arbeite mit den vier Dimensionen von Diversity nach Gardenswartz & Rowe und ergänze das um einen intersektionalen Blick – Diversity ist eben mehr als Gender. Mir ist wichtig, dass wir nicht bei Awareness stehenbleiben, sondern ins Handeln kommen“
- „Wir vertiefen den Unterschied zwischen Passato prossimo und Imperfetto und arbeiten mit authentischem Hörmaterial. Und wenn wir gut durchkommen, lesen wir am Ende ein Gedicht von Ungaretti. Darauf freue ich mich am meisten!“
- „Wir arbeiten mit Steinzeugton, gebrannt bei 1240 Grad – dadurch wird das Gefäß dicht und du kannst deine Tasse oder Vase hinterher wirklich benutzen. Beim Glasieren hast du dann die Wahl zwischen Tauchglasur und GieĂźglasur.“
Und ja, ich lieb’s wenn Leute mit dem Funkeln im Augen von italienischer Lyrik der Moderne oder unterschiedlichen Tauchglasurtechniken sprechen – aber oft ist das nicht das, was wir brauchen, wenn wir die Workshop-Marketing-Brille aufsetzen 🙂
Gebucht wird ein Workshop oft wegen etwas anderem.
Probier es doch mal aus: Wie wĂĽrde dieser Eisberg bei dir aussehen?
Und wenn du Probleme dabei hast… Du weiĂźt ja, wo du mich findest. 🙂